DP-Telegramm Geschichte

Telegramm-Geschichte(n)

 

Das Telegramm - die Messenger App von früher.
Über eilige Nachrichten gestern & heute und bedeutende historische Telegramme.

Was hatte das Telegramm, lange bevor es SMS, WhatsApp und Messenger gab?

Eine gekürzte Sprache. Personalpronomen und Adjektive wurden weggelassen und dadurch Geld gespart. Je weniger Wörter, desto günstiger war früher ein Telegramm. Heute richtet sich der Preis eines Telegramms nach der Anzahl der Zeichen.

 

Auch die Wörter der Empfängeradresse gehörten zum Telegramm-Text und mussten vom Absender bezahlt werden. Daher richteten sich viele Unternehmen für den Telegramm-Empfang eine "Kurzadresse" ein: das Drahtwort.

Telegramm heißt wörtlich übersetzt: Fernschrift oder Fernschreiben. Die Bezeichnung "Telegramm" erfand 1852 der Amerikaner E. P. Smith, die sich ab 1860 auch im europäischen Sprachgebrauch durchsetzte. Die Reichspost verwendete für Telegramm bis 1878 den Begriff "Depesche".

Berühmte historische Telegramme

"Was hat Gott bewirkt?"

1837 testete Samuel Morse seinen ersten brauchbaren elektromagnetischen Schreibtelegrafen, der die Morseschrift aufzeichnen konnte. Dieser bestehend aus einer Wanduhr und Blechabfällen. Der Morsecode wurde noch manuell codiert und wieder entschlüsselt. Die erste Nachricht, die Morse mittels Morse-Alphabet übermitteln ließ, lautete: "Was hat Gott bewirkt? – What hath God wrought?"

"Ich gehorche"

Giuseppe Garibaldi (1807−1882) war ein italienischer Freiheitskämpfer. Zwischen 1820 und 1870 war er einer der populärsten Protagonisten der italienischen Einigungsbewegung. In Feldzügen gegen Österreich wurde er zum Nationalhelden. Am Ende seines Rebellentums, das den italienischen Staat mehrfach in diplomatische Verlegenheit brachte, steht ein berühmtes Telegramm. Das Telegramm erreichte 1866 den italienischen König. Es enthielt nur ein Wort: "Obbedisco" (Ich gehorche).

Die Emser Depesche

Das regierungsinterne Telegramm erreichte am 13. Juli 1870 den Reichskanzler Otto von Bismarck in Berlin. Es unterrichtete ihn über ein Treffen König Wilhelms I. von Preußen mit dem französischen Botschafter Vincent Benedetti im Kurort Bad Ems. Der französische Botschafter forderte vom preußischen König, dass die Hohenzollern auf die spanische Thronfolge verzichten sollten.

Aus dem Telegramm strich Bismarck etwa die Hälfte der 206 Wörter. Die gekürzte und dadurch verschärfte Depesche gab Bismarck an die Presse. Ein Sturm nationaler Entrüstung in Deutschland und vor allem Frankreich war die Folge, der letztlich zur Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli 1870 führte.

"Crippen among passengers"

Dr. Crippen war der erste Verbrecher der Kriminalgeschichte, der mithilfe des Telegramms verhaftet werden konnte. Der amerikanische Arzt lebte in London und brachte nach einem Streit seine Frau mit einem Gift-Cocktail um. Als die Polizei Verdacht schöpfte, versuchte er mit seiner Geliebten Ethel le Neve nach Amerika zu entkommen. Die beiden schifften auf der "SS  Montrose" nach Kanada ein. Der Kapitän des Schiffes, Henry George Kendall, war von Scotland Yard über die Vorgänge in Großbritannien per Telegramm informiert und erkannte die Flüchtigen unter seinen Passagieren – sie hatten sich als Vater und Sohn getarnt. Er telegrafierte zurück "Crippen among passengers". Daraufhin konnten Dr. Crippen und Ethel le Neve am 31. Juli 1910 verhaftet werden.

DP-Telegramm Zimmermann-Depesche

Verschlüsselte Zimmermann-Depesche – Foto: By The U.S. National Archives [No restrictions], via Wikimedia Commons

Die Zimmermann-Depesche

Die Entschlüsselung der Zimmermann-Depesche war der berühmteste Codebruch des Ersten Weltkriegs. Dieses verschlüsselte Telegramm wurde geschrieben und versendet am 19. Januar 1917 vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Arthur Zimmermann, aus der deutschen Botschaft in Washington, D.C. an den deutschen Botschafter in Mexiko. Darin schlägt Deutschland Mexiko eine militärische Allianz gegen die USA vor und die Aussicht auf den Rückgewinn der 1848 an die USA verloren gegangenen mexikanischen Territorien. Das Telegramm wurde vom britischen Marinegeheimdienst abgefangen und mühevoll dechiffriert.

"Die Briten hielten den Inhalt des Telegramms über einen Monat zurück; sie wussten nämlich nicht, wie sie den Inhalt der Öffentlichkeit mitteilen konnten, ohne dass die Deutschen entdeckten, dass ihr Code geknackt war. Man verkündete schließlich, das Telegramm sei durch eine Unvorsichtigkeit in der deutschen Botschaft in falsche Hände geraten." (Quelle Zitat: Wikipedia)

Die darin enthaltenen offensichtlichen Drohungen veranlassten den US-Kongress ihre Neutralität zu überdenken. Die Depesche führte letztlich zum Kriegseintritt der USA in den 1. Weltkrieg auf Seiten der Entente Cordiale. (Quellen: Spiegel und Süddeutsche Zeitung sowie Uni Passau)

Waffenstillstands-Telegramm zum Ende des 1. Weltkriegs

Die Nachricht vom Kriegsende wurde im November 1918 im Deutschen Kaiserreich per Telegramm verbreitet.

DP-Telegramm Waffenstillstand

Das Riegner-Telegramm

Gerhart Riegner, Büroleiter des Jüdischen Weltkongresses in Genf, informierte im August 1942 in einem Telegramm – auch Riegner-Bericht genannt – die Alliierten über den Holocaust an den Juden:

"Erhielt alarmierenden Bericht in Führerhauptquartier werde Plan diskutiert und erwogen in deutsch besetzten und kontrollierten Ländern alle Juden Anzahl dreieinhalb bis vier Millionen nach Deportation und Zusammenfassung im Osten mit einem Schlag auszurotten und damit die jüdische Frage ein für allemal zu lösen stop Aktion geplant für Herbst Methoden einschließlich Blausäure in Diskussion stop."

Fatalerweise wurde dem Riegner-Telegramm in England und in den USA wenig Glauben geschenkt, sondern man wertete es zunächst als "wildes, von jüdischen Ängsten inspiriertes Gerücht".
(Quellen: Wikipedia und World Jewish Congress)

Das Göring-Telegramm an Hitler

Am frühen Morgen des 23. April 1945, die Rote Armee kesselte gerade die Reichshauptstadt Berlin ein, schickte Reichsmarschall Hermann Göring, der zweite Mann im Dritten Reich, ein Telegramm in den Führerbunker.

Darin erklärte er sich verklausuliert bereit, die Staatsgeschäfte "zum Wohle von Volk und Vaterland" zu übernehmen, sollte Adolf Hitler seiner Handlungsfreiheit beraubt sein und bis 22 Uhr desselben Tages nichts von sich hören lassen.

Das Telegramm verursachte bei Hitler einen Tobsuchtsanfall über den "Verräter". Er sendete keine Nachricht zurück, sondern entließ Göring augenblicklich aus allen Staats- und Parteifunktionen und stellte ihn auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden unter "Hausarrest".
(Quelle: Die Welt)

Bilder und Textauszüge mit freundlicher Genehmigung von DAS ARCHIV – Magazin für Kommunikationsgeschichte, Ausgabe 2/2012, Museumsstiftung Post und Telekommunikation

*Telegramm-Annahme telefonisch: montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr und samstags von 8 bis 16 Uhr (außer an bundeseinheitlichen Feiertagen)

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