23. Januar 2018

Was ist drin? Teil 7: Zinn

Heute wollen wir uns einem spannenden und häufig unterschätzten Metall widmen: dem Zinn. Es hat eine lange und glorreiche Vergangenheit – und die Zukunft ist derzeit ohne Zinn schwer vorstellbar. Zinn-Recycling wird deshalb immer wichtiger. Lesen Sie hier, warum das so ist.

Geschichte

Zinn – Recycling: Blechdosen-Telefon

Damals wurde Zinn für eine Sonderform von Blei gehalten, was ihm den Namen „Plumbum album” (weißes Blei) gab. Das Wort Zinn geht vermutlich auf den altgermanischen Begriff „zein” zurück, was „Stab” bedeutet. Ab 1100 wurde Ton- und Holzgeschirr in Europa zunehmend durch Teller, Schalen oder Becher aus Zinn ersetzt. (Der Zusammenhang mit Ernährung besteht übrigens bis heute – seit dem 19. Jahrhundert spielt Zinn bei der Herstellung von Weißblech und damit auch von Konservendosen eine große Rolle.)

Im Mittelalter entstanden eigene Berufe rund um das Metall – während der Zinngießer für die Herstellung und ästhetische Ausgestaltung von Gegenständen aus Zinn zuständig war, machte sich der Zinnputzer an ihre Reinigung. Er verwendete dazu einen Auszug aus Ackerschachtelhalm, der deshalb bis heute auch als Zinnkraut bekannt ist.

Vorkommen und Gewinnung

Die größte Fördernation ist – wie so oft bei metallischen Rohstoffen – die Volksrepublik China, gefolgt von Indonesien, Myanmar, Brasilien und Bolivien. Kuriosum am Rande: Das weltweit größte, noch unerschlossene Zinnvorkommen befindet sich im deutschen Erzgebirge. In einem Erkundungsbergwerk wird derzeit dort der Abbau einer Lagerstätte vorbereitet.

Zinn findet man nur selten in seiner reinen Form, häufiger sind Zinnerze wie zum Beispiel Kassiterit, auch Zinnstein oder Bergzinn genannt. Durch Erhitzen und eine anschließende Reduktion mit Kohlenstoff lässt sich das reine Zinn gewinnen. Die Rückgewinnung aus zinnhaltigen Abfällen (Zinn-Recycling) ist außerdem inzwischen eine erfreulich häufige Art, Zinn herzustellen.

Dennoch warnen Fachleute seit Jahren vor einem drohenden Zinn-Engpass, höhere Preise und Lieferprobleme seien demnach bereits in absehbarer Zeit vorprogrammiert.

Eigenschaften

Zinn zählt zu den unedlen Metallen, obwohl es bei Zimmertemperatur nicht mit Wasser oder Luft reagiert. Seine Oxidschicht macht es beständig. Auch Säuren müssen konzentriert sein, damit sich das Zinn verändert. Es ist ein sehr weiches und dehnbares Metall, etwas härter als Blei.

Bedeutung

Zinn – Recycling: Zinnhaltige Becher

Als Lötzinn hat das Metall große Bedeutung bei der Verbindung elektronischer Bauteile (z.B. Platinen). Man kann sagen, dass kaum ein Elektrogerät ohne Zinn denkbar ist. Als elektrischer Leiter kommt Zinn darüber hinaus z.B. bei LC-Displays zum Einsatz. Auch die chemische Industrie ist auf Zinn anwiesen – 23% der jährlichen Zinnmengen werden als Zusatzstoffe in Chemikalien wie z.B. Desinfektionsmitteln verbraucht.

Problematik

Da Zinn auch im Kongo abgebaut wird, wurde es von den USA als „Konfliktmineral” eingestuft, das bedeutet, dass hier die Einnahmen der Gewinnung für bewaffnete Konflikte eingesetzt werden. Die Herkunft von Zinn muss also immer gut hinterfragt werden (siehe auch die Problematik beim Metall Tantal).

Zinn ist grundsätzlich kaum giftig. Organische Zinnverbindung allerdings haben eine toxische Wirkung auf Mensch und Umwelt. Sie kommen in der chemischen Industrie vor, werden in Lacken und Farben oder auch in der Landwirtschaft als Pestizide verwendet. Organische Zinnverbindungen sind sehr schwer biologisch abbaubar und verbleiben lange in der Natur. In Gewässern können solche Zinnverbindungen Phytoplankton, Fische, Algen und Pilze und damit ganze Ökosysteme schädigen. Einen zweifelhaften Namen machte sich in diesem Zusammenhang das sogenannte TBT, eine Zinnverbindung, die  jahrelang in Schiffsanstrichen als Korrosionsschutz eingesetzt wurde. Sie verseuchte die Meere und gelangte in die Nahrungskette. Auch in Holzschutzmitteln, Teppichen und Bekleidung wurde TBT gefunden. Seit dem 2003 sind TBT-haltige Schiffsanstriche in den Mitgliedsländern der Internationalen Schifffahrts-Organisation (IMO) verboten. Die EU erließ darüber hinaus einen Grenzwert für Produkte.

Recycling

Die gute Nachricht: Die Recyclingquote von Weißblechdosen ist sehr hoch. Die schlechte: Zinn kann nur dann aus den Dosen zurückgewonnen werden, wenn das Weißblech frei von Aluminium ist, was nicht immer garantiert werden kann. Obwohl das Recycling von Zinn grundsätzlich gut möglich ist, wird bislang schätzungsweise nur ein Drittel des verwendeten Zinns aus Recycling gewonnen – hier ist noch einige Luft nach oben. In naher Zukunft soll sich Zinn auch aus der Schlacke von Müllverbrennungsanlagen zurückgewinnen lassen, ein weiterer Schritt zur Erhöhung der Recyclingquote.

Übrigens: Auch Ihre alten Elektrogeräte enthalten Zinn. Helfen Sie also mit beim Zinn-Recycling! Kleiner Elektroschrott lässt sich mit ELECTRORETURN einfach und schnell zum Recycling bringen: Laden Sie dazu einfach die kostenfreie Versandmarke herunter – packen Sie Ihre Geräte in einen Maxibrief-Umschlag, Marke drauf, zum Briefkasten damit, fertig!

Weiterführender Lesestoff:

Fotos © Chepko Danil Vitalevich und James Ogg – shutterstock.com

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