17. April 2018 – Kommentare (3)

Eine gute Idee: das Recht auf Reparatur

Defekte Elektrogeräte reparieren zu lassen – das kann zu einer echten Herausforderung werden. Ersatzteile sind manchmal schwer zu bekommen und oft lassen sich die Geräte nicht einmal öffnen. Damit soll bald Schluss sein. Das besagt zumindest das Recht auf Reparatur.

Woher kommt die Idee „Recht auf Reparatur“?

Electroreturn Blog: Recht auf Reperatur

Was besagt das Recht auf Reparatur genau?

Hinter dem Recht auf Reparatur stehen Initiativen, die sich dafür einsetzen, dass Reparaturen grundsätzlich erleichtert werden. Gefragt sind hier vor allem die Hersteller, sie sind besonders in der Pflicht. Sie sollten Orginalersatzteile demnach auch an Verbraucher oder unabhängige Dienstleister verkaufen. Befürworter der Idee fordern außerdem, dass Geräte überhaupt reparaturfähig, also etwa durch Schrauben zu öffnen sein müssen. Immer häufiger sind Smartphones und andere Elektrogeräte nur noch verklebt, was den Austausch von Ersatzteilen erschwert. Elektrogeräte zu reparieren wird deshalb oft gar nicht erst versucht. Eine weitere Forderung betrifft Reparaturanleitungen: Hersteller werden aufgefordert, sie allgemein zugänglich zu machen.

Welche Argumente sprechen dafür?

Für Verbraucher liegen die Vorteile auf der Hand. Allen voran: Sie können die Lebensdauer von defekten Geräten durch eine Reparatur einfacher verlängern. Dabei kann jeder selbst entscheiden, bei wem er eine Elektrogeräte-Reparatur durchführen lässt – wer geschickt ist, macht sich selbst ans Werk. Damit wird ein Reparaturmonopol der Hersteller gebrochen, Verbraucher müssen nicht mehr befürchten, dass nach einer Reparatur grundlegende Funktionen des Geräts beeinträchtigt sind. Umstrittene Berühmtheit erlangte beispielsweise der „Error 53“, eine Fehlermeldung die bei iPhones auftrat, wenn der Homebutton bei einem Drittanbieter repariert wurde. Der „Fremdknopf“ wurde vom Gerät nicht akzeptiert, die Reparatur konnte nicht erfolgreich durchgeführt werden.

Ein besonders wichtiges Argument aus Sicht von ELECTRORETURN: Elektrogeräte zu reparieren ist nachhaltig und eine Maßnahme gegen den wachsenden Elektroschrottberg. Erst wenn eine Reparatur wirklich nicht mehr möglich oder wirtschaftlich ist, sollte ein Gerät dem Recycling zugeführt werden. Für Smartphones, Rasierapparate und viele weitere alte Elektrogeräte bietet sich dann die praktische Entsorgung per Post an – die kostenlose Versandmarke macht’s möglich.

Wie reagieren die Hersteller auf die Idee?

Die betroffenen Hersteller führen Gegenargumente ins Feld. Reparaturmöglichkeiten wären ja grundsätzlich gegeben, sagt etwa Apple und verweist auf das Netzwerk autorisierter Servicepartner. Ein gewichtiger Punkt sei außerdem die Sicherheit. Was, wenn durch unsachgemäße Elektrogeräte-Reparatur ein Schaden entstehen würde, zum Beispiel ein nachträglich eingebauter Billigakku in Brand geriete? Auch die Daten auf den Geräten, so der Hersteller, könnten durch eine Reparatur möglicherweise leichter zugänglich werden, Apple sprach gar von einem „Mekka für Hacker“. Auch andere Hersteller wie Samsung, Sony oder Nintendo sprachen sich vehement gegen ein festgeschriebenes Recht auf Reparatur aus. Der Widerstand hat sicher auch ökonomische Gründe: Reparaturen sind für die Unternehmen eine gute Einnahmequelle. Darüber hinaus liegt es im natürlichen Interesse der Hersteller, neue Geräte zu verkaufen.

Kommt das Recht auf Reparatur auch nach Deutschland?

Seit Ende 2015 hat das Recht auf Reparatur auch bei uns starke Befürworter. Der „Runde Tisch Reparatur“ setzt sich aus Umweltverbänden, Reparaturwerkstätten, Verbraucherschützern und Wissenschaftlern zusammen. Gemeinsam fordern sie eine Kehrtwende in der Politik. Die Deutsche Umwelthilfe spricht sich für ein Vorhalten von Originalersatzteilen für mindestens sieben Jahre und die Veröffentlichung kostenfreier Reparaturanleitungen aus. Auch eine steuerliche Förderung für die Reparatur und den Kauf gebrauchter Geräte gehört zu den Forderungen. In der EU-Öko-Designrichtlinie und den zugehörigen produktspezifischen Ökodesign-Verordnungen sollen reparaturfreundliche Prinzipien für alle Produkte europaweit verbindlich gemacht werden.

Kurzfristig haben diese Forderungen vermutlich noch wenige Chancen. Mittelfristig ist die Idee des Rechts auf Reparatur sicher kaum noch zu stoppen. Seit 2017 gibt es den International Repair Day (immer am 3. Samstag im Oktober), der das Thema Reparatur weltweit ins Bewusstsein rückt. In Finnland und Frankreich werden bereits ebenfalls Gesetzentwürfe diskutiert, die das Recht auf Reparatur festschreiben.

Wie heißt es immer so schön? Nichts ist so stark, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Und wenn bei Ihrem Handy oder anderen Elektrogeräten die Zeit gekommen ist und eine Reparatur nicht mehr möglich ist: Einfach in einen stabilen Umschlag packen, die kostenlose Versandmarke draufkleben und ab in den nächsten Briefkasten!

Bild © karepa – fotolia.com

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Kommentare (3)

Vielen Dank für diesen besonders informativen Beitrag, meine Erfahrung ist das Hersteller gezielt nachschauen ob ein Geräte vom Verbraucher geöffnet wurde um damit Garantie Ansprüche ungültig machen zu können.

Martina
09:47 Uhr am 19. April 2018 

Ich habe bisher bereits gute und schlechte Erfahrungen mit Reparaturen gemacht. Der Akkuwechsel eines Galaxy A3 gestaltete sich sehr aufwändig, eben wegen der starken Verklebungen. Dabei ist mir leider auch das Display kaputt gegangen. Mit Microsoft hingegen habe ich gute Erfahrungen gemacht. Obwohl mein Lumia schon von einem Reparaturladen repariert wurde, konnte ich es kürzlich anstandslos auf Garantie reparieren lassen. Außerdem kann ich hier den Akku leicht wechseln und habe auch schon den dritten in Gebrauch.

Bastian T
20:13 Uhr am 20. April 2018 

Vielen Dank für diesen Tollen Beitrag, hat mir gut gefallen.

Paula
17:19 Uhr am 10. Mai 2018 

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