24. November 2016

Neue Elektrogeräte – wie uns eingebauter Verschleiß stresst

Ein Fernsehgerät war früher beinahe so etwas wie ein Familienmitglied – es hielt sich gern im Wohnzimmer auf, wo es abends Zeit mit uns verbrachte. Wenn es alt wurde, zog es ins Kinder- oder Gästezimmer und wurde dort noch eine Weile gehegt und gepflegt. Bis es dann – nach ca. 12 Jahren – beim Sperrmüll seine ewige Ruhe fand. Die alten Röhren hielten einiges aus. Neue, schicke Flachbildschirme erreichen dagegen kaum mehr als eine Lebensdauer von 5 Jahren. Das dokumentiert das Umweltbundesamt in seiner sogenannten Obsoleszenz-Studie (Obsoleszenz = Verschleiß) aus dem Jahr 2015. Auch andere Apparate und elektrische Haushaltshelfer begleiten uns heute nur noch für kurze Zeit. In immer kürzeren Abständen tauschen wir defekte Geräte aus – und nicht nur sie. Manchmal werden auch völlig intakte Produkte durch neue Elektrogeräte ersetzt. Die Politik sieht Handlungsbedarf: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks setzt sich für eine längere Lebensdauer von Geräten ein. Aber sind diese kurzen Lebenszyklen tatsächlich von der Industrie bewusst beabsichtigt, wie häufig behauptet?

Geplanter Verschleiß – eine moderne Legende?

Ein ausrangierter Fernseher

Die Gründe, warum wir neue Geräte kaufen, sind allerdings tatsächlich vielfältig und nicht unbedingt nur auf einen Defekt zurückzuführen.

Warum wir neue Elektrogeräte kaufen

1. Alterserscheinungen

Es wäre schön, wenn wir ganz selbstverständlich alte Geräte reparieren könnten. Doch häufig sind Ersatzteile bei einem betagten Gerät nicht mehr verfügbar – und uns fehlt das Know how, eine Reparatur selbst durchzuführen.

2. Image

Das Smartphone ist das neue Auto – so wie das KfZ früher das eigene Image, den Stil und den sozialen Status unterstrich, so tut es bei jungen Städtern heute das Smartphone, das haben Trendforscher festgestellt.

3. Trends

Manchmal ist eine bestimmte Technik plötzlich out und wird durch eine andere ersetzt. Wer hätte vor zehn Jahren geahnt, dass heute der Kaffee so oft durch Kapseln gebrüht wird? Vermutlich nicht einmal George Clooney.

4. Innovationen

Sie heizen den Verkauf neuer Elektrogeräte an. Röhrenfernseher wandern zum Schrott, weil es Flachbildschirme gibt. Und die müssen nun wieder weichen, wenn sie nicht internetfähig sind. Und so weiter und so weiter …

5. Bequemlichkeit

Elektrogeräte machen uns das Leben leichter. Und so halten wir fortwährend Ausschau nach solchen, die uns das Leben NOCH leichter machen. Welcher Staubsauger kann schon gegen einen mithalten, der als Roboter in unserer Abwesenheit arbeitet?

6. Stromverbrauch

Der Klassiker bei Kühlschränken und Wäschetrocknern: Das alte Gerät funktioniert noch, beschäftigt aber gefühlt alleine ein Atomkraftwerk. Umweltaspekte und Ersparnis sind willkommene Argumente für schicke neue Geräte.

7. Nicht kompatible Technik

„Ihr Gerät ist nicht mit dieser Version kompatibel“ – ein echter Albtraum. Wenn es keinen Druckertreiber mehr gibt oder das Betriebssystem nicht mehr unterstützt wird, obwohl das Gerät noch intakt ist, spricht einiges für geplante Obsoleszenz durch Software.

Gerade letzteres sorgt häufig für Frust, weil ein Gerät aussortiert werden muss, das augenscheinlich noch funktionieren könnte. Wenn das Gerät nicht kompatibel ist, fühlen sich Verbraucher oft machtlos. Die Alternative, bei der alten Technik zu bleiben, gibt es meist nicht. In Gegenden, in denen VDSL eingeführt wurde, landeten Millionen Router auf dem Schrott. Diagnose: Gerät nicht kompatibel. Wenn am 30. Juni 2017 in Deutschland das analoge Fernsehen in drei Bundesländern abgeschaltet wird, werden sich Betroffene fragen, ob ihr Gerät kompatibel ist und welche Zusatzgeräte gekauft werden müssen. Ohne Neuanschaffungen geht es oft nicht.

Was sind die Folgen?

Was können wir selbst tun?

1. Bewusstsein schärfen

Es klingt banal, aber es ist ein Anfang, wenn wir uns genau bewusst werden, was wir kaufen und warum. Und wie wir mit alten und neuen Elektrogeräten umgehen.

2. Nachhaltig einkaufen

Geht das denn überhaupt? Ja, es geht. Es gibt ein paar Dinge, auf die man achten kann, wenn man nachhaltig leben will. Dazu haben wir für Sie 5 Tipps für den Kauf von umweltfreundlichen Elektrogeräten zusammengestellt. Damit nachhaltig einkaufen künftig leichter wird.

Elektrogeräte reparieren als Alternative zum Neukauf

4. Cool bleiben

Manchmal lohnt es sich, einen Trend ganz locker auszusitzen, er zieht auch wieder vorbei.
Eine Smartphone-Generation lässt sich auch mal überspringen, ohne, dass man viel verpasst. Und eh man sich’s versieht, ist man als jemand, der seinen Kaffee mit der Hand aufbrüht, der eigentliche Trendsetter …

5. Recycling nicht vergessen

Aus den Augen, aus dem Sinn – das sollte man nicht auf defekte Geräte übertragen. Wer eines aussortiert, sollte am besten gleich seinen künftigen Verbleib organisieren. Ist das Gerät noch funktionstüchtig, lässt es sich vielleicht verschenken. Andernfalls steht das Recycling an. Bei kleinen Elektrogeräten wie Rasierapparaten, Ladegeräten oder Handys ist ELECTRORETURN ideal, sofern sie in einen Maxibrief passen. Einfach eine kostenlose Versandmarke herunterladen, auf den Umschlag kleben und ab damit in den Briefkasten.

What’s next?

Nachhaltig leben und nachhaltig einkaufen wird gerade in Sachen „neue Elektrogeräte“ in Zukunft noch wichtiger werden. Denn die Innovationszyklen werden immer kürzer – bereits heute redet man vom Zeitalter des „Internet der Dinge“. Dabei werden immer mehr neue Elektrogeräte internetfähig sein und damit neue Funktionen bekommen. Der Kühlschrank checkt den Milchvorrat und ordert auf Wunsch Nachschub beim Online-Lebensmittelhandel. Geräte lassen sich aus der Ferne mit dem Smartphone aktivieren und steuern. Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und Bürotechnik wachsen immer stärker zusammen. Dass ein Gerät nicht kompatibel ist, wird dann immer häufiger vorkommen, eingebauter Verschleiß durch Software wird der Normalfall. Wir müssen uns immer wieder überlegen, wann der Zeitpunkt für eine Neuanschaffung gekommen ist und ob sie wirklich notwendig ist. In Zukunft werden dabei neben wirtschaftlichen auch ökologische Gründe eine Rolle spielen. Vielleicht wird deshalb elektrische Geräte reparieren ja auch mal ein Trend? Es wäre in jedem Fall wünschenswert, wenn wir bei aller Faszination für die Technik den wachsenden Elektroschrottberg nicht aus den Augen verlieren.

Bilder © urbancow – istockphoto.de, ESB Professional – shutterstock.de

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