18. Dezember 2013 – Kommentare (3)

“Wer repariert, begreift die Welt.”

Sie suchen noch nach einem Geschenk? Wir hätten da einen schönen Last-Minute Tipp. Ein außergewöhnliches Buch für alle, die sich vorgenommen haben, im neuen Jahr allen Dingen mit mehr Wertschätzung zu begegnen.

Um es gleich vorwegzuschicken: Wolfgang M. Heckl ist ein erstaunlicher Autor. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Direktor des Deutschen Museums in München ein kluger und außerordentlich gebildeter Mensch ist. Seine Doktorarbeit verfasste der Biophysiker zum Thema “Laterale Organisation von Lipidmonolayern unter dem Einfluss von amphiphilen Fremdstoffen und Proteinen”. Man könnte glauben, sein Buch mit dem Titel “Die Kultur der Reparatur” wäre ein wissenschaftlich geprägtes Werk, komplex, detailreich und einigermaßen mühevoll zu lesen. Vielleicht sogar, nun ja, ein wenig lebensfremd.

Nichts davon trifft auf Heckls Buch zu. Man liest es in einem Schwung durch, mit wachsender Freude. Denn Heckl ist ein begeisterter Verfechter seiner Mission: Reparieren lohnt sich! Es ist ein Prinzip unseres Lebens. Es gibt uns Freiheit, Autonomie, Kreativität und im besten Falle sogar Glück zurück – Werte, die uns im modernen Alltag oft verloren gehen.

Es gibt derzeit viele Bücher, die sich kritisch mit den Themen Wachstum und Konsum auseinandersetzen. “Die Kultur der Reparatur” unterscheidet sich von ihnen in vielerlei Hinsicht. Es ist einfach zu lesen und dabei lehrreich und klug. Es motiviert zum Umdenken und dazu, selbst mit einer Verhaltensänderung zu starten. Es ist sehr persönlich geschrieben und basiert nicht nur auf Wissen, sondern auf persönlichen Begegnungen und Erfahrungen.

Buchtipp: Die Kultur der Reperatur von Wolfgang Heckl

Fazit: “Die Kultur der Reparatur” ist ein leidenschaftlicher, persönlicher und positiver Aufruf, selbst einmal wieder etwas zu reparieren (oder reparieren zu lassen). Das Buch ist angenehm zu lesen, lehrreich und unterhaltsam. Überzeugte Heimwerker werden sich darin endlich bestätigt fühlen, alle anderen werden sicher motiviert sein, auch einmal das “süße Hochgefühl” (Zitat des Autors) einer erfolgreichen Reparatur zu erlangen.

Wolfgang M. Heckl
“Die Kultur der Reparatur”, Hanser Verlag
208 Seiten, Hardcover
17,80 €

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Kommentare (3)

Ich habe auch schon vor ca. nem halben Jahr von der Herangehensweise gehört, bei der ständiges Wachstum nicht als die Endlösung propagiert wird und man sich wieder mehr auf “Helfen” und “Reparieren” fokussiert.
Das ständige Wachstum kann schon allein durch die endlichen Ressourcen und den endlichen Platz auf unserem Planeten nicht funktionieren.
Das Buch schaue ich mir auf jeden Fall an!

ErikKr
22:53 Uhr am 29. Dezember 2013

Sehr geehrte Frau Schmitt,
ich habe mich sehr über Ihre Zeilen gefreut.
Sicher hätten Sie auch Freude an unserer neuen großen Ausstellung zum Thema Anthropozän – Wie der Mensch die Erde verändert, die wir im Deutschen
Museum gerade eröffnet haben. Vielleicht schauen Sie mal auf unsere homepage http://www.Deutsches-Museum.de oder Sie kommen mal auf einen Besuch persönlich vorbei.
Ihr
Wolfgang M. Heckl

Wolfgang M. Heckl
21:03 Uhr am 9. Dezember 2014

Wichtig ist halt, dass die Dinge auch reparierbar sind. Smartphones, bei denen sich der Akku nicht austauschen lässt oder ein gesprungener Display das Ende des Gerätes bedeutet, sollten der Vergangenheit angehören. Da muss unbedingt von gesetzlicher Seite etwas passieren.

Bernd Frank
10:24 Uhr am 22. April 2015

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