2. April 2015

„Deutschland könnte ambitionierter sein.“

Wie entwickelt sich eigentlich derzeit der Umgang mit Elektroschrott?  Wo liegen die Herausforderungen in der Zukunft? Und was bringt das neue Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG)? Wir haben Manfred Fahrner, Recyclingexperte unseres Partners ALBA Group, befragt.

Interview mit ALBA Recyclingexperte Manfred Fahrner

2016 sollen laut Verordnung 45% der in Verkehr gebrachten Menge zurück kommen, das wären dann zwischen 9 und 10 Kilogramm. Daran sieht man, dass wir noch nachlegen müssen. Aus meiner Sicht geht das nur, wenn hier mehr Kommunikation stattfindet, es fehlt einfach an Öffentlichkeitsarbeit, um dem Thema den nötigen Stellenwert zu geben. Holland macht hier vor, wie es gehen kann. Dort gibt es eine richtige Kampagne, die informiert und motiviert.

Warum ist Recycling von Elektroschrott eigentlich so wichtig? Ist es nicht sinnvoller, alte Elektrogeräte zu verkaufen, damit sie noch genutzt werden?

Wiederverwendung ist eine prima Sache, die ja auch gesetzlich gefordert wird. Dagegen ist erst mal nichts zu sagen. Problematisch wird es aber immer dann, wenn Geräte mal eben in die Schwellenländer verkauft werden. Selbstverständlich sollte jeder moderne Technik nutzen können, aber was passiert damit ein, zwei Jahre später? Elektroschrott-Recycling findet dort nur unzureichend und unter kritischen Bedingungen für Mensch und Umwelt statt. Mit dem Export von Geräten müssen wir auch unsere Philosophie und Technik des Recyclings exportieren – nur dann ist der Weiterverkauf verantwortlich.

Im vergangenen Jahr erregten Journalisten mit der Aktion „Follow the money“ Aufsehen. Dabei wurde ein entsorgungsreifer Fernseher mit Peilsendern ausgestattet und bis nach Ghana verfolgt. Wie kann man bei der ALBA Group sicher sein, dass Elektroschrott wirklich recycelt wird?

Zunächst einmal ist die Frage sehr berechtigt. Wenn die Deutschen jährlich 22 kg Elektrogeräte „konsumieren“, es werden aber nur 8 kg gesammelt, kann man sich schon fragen, was mit der Differenz eigentlich passiert. Gleichzeitig ist die Antwort aus unserer Sicht ziemlich einfach: Wir haben Millionenbeträge in moderne Recyclinganlagen investiert. Das macht man nicht, um Seecontainer zu füllen. Wir wollen, dass unsere Anlagen ausgelastet sind. Und wie eben schon gesagt: Fehlende Technologie in Schwellenländern bedeutet weniger Rückgewinnung und damit eine Verschwendung von Ressourcen. Das ist bestimmt nicht das, was wir wollen. Was immer bei der ALBA Group landet, also selbstverständlich auch die Sendungen von ELECTRORETURN, wird ordnungsgemäß recycelt.

Interview mit ALBA zu Elektroschrottrecycling: Sortierung von Elektroschrott

In immer kürzeren Abständen kommen neue Gerätetypen und die Entsorgung muss sich darauf einstellen. Eine riesige Aufgabe. Hinzu kommt, dass die Industrie so aufgesplittert ist, dass es unübersichtlich wird. Unzählige Zulieferer bringen ihre Komponenten mit ein, es ist kaum zu überblicken, wer da was wie verbaut, von Rücknahmesystemen ganz zu schweigen. Das heißt nicht, dass Elektroschrott-Recycling nicht immens wichtig ist, um verantwortlich mit den Ressourcen umzugehen. Aber ein geschlossener Kreislauf – das ist nicht zu schaffen.

Vor zwei Wochen wurde ein neuer Gesetzentwurf zum Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) von der Bundesregierung gebilligt. Worin liegen dabei aus Ihrer Sicht die Chancen und Risiken?

Es hat sehr lange gedauert, bis das Gesetz überarbeitet wurde, vermutlich hat man die Komplexität des Themas einfach unterschätzt. Ich denke, da wäre noch mehr gegangen, der Entwurf hätte ambitionierter sein können. Der Handel hat hier eine Aufweichung erreicht, die insbesondere Discountern nutzt. Sie müssen Elektroschrott auch künftig nicht zurücknehmen, da sie nicht über 400 qm Verkaufsfläche für Elektrogeräte verfügen. Deutschland nutzt hier alle Spielräume aus, die durch die Vorgabe aus Brüssel möglich sind. Klar, die Abwicklung wird erleichtert und wir bekommen bessere Sammelqualität. Aber wir müssen uns schon fragen, an wem wir uns orientieren wollen. Wenn wir nach Norwegen, Österreich oder zur Schweiz schauen, da schneiden wir nicht so gut ab. Da hätten wir die Chance, die das Gesetz bietet, besser nutzen können.

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