16. November 2015

Was ist drin? Teil 6: Gold

Goldbarren an einer Kette

Geschichte

Seit Jahrtausenden wird Gold genutzt – für rituelle Gegenstände, Schmuck oder auch als Zahlungsmittel. Einen ordentlich dokumentierten Goldfund soll es aber erst 1799 in den USA gegeben haben. Die Finder nahmen einen hübsch glänzenden, über 3 kg schweren Stein mit nach Hause und nutzten ihn als Treppenstufe. Einem Juwelier kam die Sache komisch vor und er erwarb das Stück – für 3,50 Dollar und machte damit das Schnäppchen seines Lebens. Als besonders legendär gilt der „Schatz des Priamos“ der 1873 bei Ausgrabungen von Heinrich Schliemann in Troja gefunden wurde. Von den 8.000 gefundenen Gegenständen, die auf über 2.400 v. Chr. datiert werden, sind die meisten aus Gold. Die berühmte Totenmaske Tutanchamuns, so wie zahlreiche seiner Grabbeigaben aus dem Jahr 1.323 v. Chr. wurden ebenfalls aus reinem Gold gefertigt.

Vorkommen und Gewinnung

Gold muss nicht aufwändig aus Erzen gewonnen werden, es kommt in der Natur in dieser Form vor, „gediegen“, wie die Fachleute sagen. Das macht einen Teil seines Reizes aus – jeder kann es theoretisch finden. Sogenanntes gut sichtbares „Freigold“ z.B. in Nuggets ist aber dann doch ziemlich selten. Wollte man sich heute noch so einfach auf Goldsuche begeben, würde man sich vielleicht nach Südafrika aufmachen, wo es die größten Goldlagerstätten gibt. Oder auch nach China oder Australien, wo heute mit das meiste Gold gefördert wird. Aber auch in den Vereinigten Staaten wird Gold abgebaut. Wer nicht so weit in die Ferne schweifen will, der könnte es auch mal in Schweden versuchen. (Übrigens: Geht es nach den Beständen, also danach, wie viel Gold ein Staat besitzt, dann ist die USA führend, gefolgt von – Deutschland!) Gold aus Flussablagerungen wird tatsächlich auch heute noch „gewaschen“, also mit Wasser aufgeschlämmt – wenn auch nicht von Hand.

Trapper schürft nach Gold im Fluss

Eigenschaften

Gold ist relativ weich und lässt sich deshalb gut verarbeiten, zum Beispiel als Folie, Goldschicht oder Draht. Es korrodiert nicht und lässt sich einfach löten. Und natürlich sind seine ästhetischen Qualitäten unbestritten.

Bedeutung

Alle Währungen der Welt sind heute vom Gold unabhängig, aber das nur am Rande. Um die Bedeutung des Edelmetalls für den Handel oder als Dekoration soll es hier nicht gehen. Uns interessiert die Verarbeitung, besonders in der Industrie. Die Korrosionsbeständigkeit ist hier der Schlüssel zur Bedeutung: Leiterplatten, Schaltkontakte, Drähte – wo immer es darauf ankommt, dass die Leitfähigkeit verbessert und Werkstoffe gegen Feuchtigkeit immun sind, wird Gold eingesetzt. In der digitalen, technisierten Welt bedeutet das: praktisch überall.

Problematik

Bei der Goldgewinnung werden verschiedene Verfahren angewendet. Eines davon arbeitet mit Quecksilber. Es ist vergleichsweise einfach und wird deshalb auch von weniger qualifizierten Goldschürfern benutzt. Der giftige Stoff wird dabei erhitzt und kondensiert in der Umwelt, was de facto eine Quecksilbervergiftung von Flüssen und Böden bedeutet. Auch beim Cyanidverfahren entweichen hochgiftige Stoffe wie z.B. Blausäure in die Umwelt. Dass es auch Laien möglich ist, Gold zu gewinnen, macht die Sache problematisch – eine behördliche Überwachung findet dann kaum statt. Unterschätzen darf man die Menge nicht – ca. 20 bis 30 % des Goldes wird von solchen Goldsuchern gewonnen. Darüber hinaus ist die Goldgewinnung, wie der Abbau fast jeden Rohstoffs grundsätzlich mit Umweltzerstörung assoziiert – die tiefsten Bergwerke zum Goldabbau liegen in 4.000 Meter Tiefe.

Gold-Recycling

Goldgegenstände einschmelzen und neu formen, das ist ein alter Hut. Seit Gold als wertvoll gilt, versuchten legale und illegale „Recycler“, Neues zu schaffen, bzw. die Herkunft des Rohstoffs zu verschleiern. Heute gibt es Goldquellen zum Recycling, an die man zunächst nicht denken würde: Im Klärschlamm finden sich beachtliche Mengen, z.B. durch Zahngold oder Schmuckstücke und -teile, die versehentlich in der Kanalisation landen. Das Gute beim Gold-Recycling ist, dass sich die in der Industrie anfallenden Abfälle, z.B. Goldstäube oder –flitter sehr gut sammeln und recyceln lassen. Hier wird bereits 90 % des Goldes wieder verwendet. Noch trübe sieht die Bilanz dagegen bei Elektrogeräten des privaten Gebrauchs, etwa Mobiltelefonen aus. Daran ändert auch nichts, dass manche Hobby-Recycler sich selbst daran versuchen, Gold mit Hilfe von Säuren aus Elektroschrott zu lösen – ein gefährliches und wenig effektives Unterfangen. Um ein Gramm Gold zu gewinnen, müsste man hier einige Kilo Elektroschrott bearbeiten und dabei in giftigen Dämpfen werkeln.

Fakt ist jedenfalls: Der Recyclinganteil bei privaten Geräten liegt bei 10 %. Nicht, weil das Gold-Recycling schwierig wäre, sondern weil die alten Elektrogeräte gar nicht zum Recycling gelangen. Ein großer Verlust: Aus 40 alten Handys kann so viel Gold gewonnen werden wie aus einer Tonne Gestein. Zwar reden wir immer noch über kleine Mengen – bedenkt man aber, dass derzeit 100 Millionen alte Mobiltelefone in Schubladen liegen, wird das Potential deutlich.

Dabei ist es gar nicht nötig, Geräte, die nicht mehr gebraucht werden, zu horten. Recyceln kann ganz einfach sein! Machen Sie mit und entsorgen Sie Ihr altes Handy bequem per Post! Laden Sie dazu einfach die kostenfreie Versandmarke herunter – Handy in den Umschlag, Marke drauf, zum Briefkasten damit, fertig!
 
Bilder © gmutlu, Mlenny – istockphoto.de, Tutanchamun Maske by User MykReeve, Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

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